Der tiefe und dreckige Sumpf Teil 2

Meine erste AST-Hündin habe ich zwar bei einem VDH-Züchter gekauft, aber es wurden diverse Rassen gezüchtet, auch ohne VDH-Papiere. Es standen Öffnungszeiten am Tor, so kann man sich vielleicht vorstellen, was für ein Betrieb dort herrschte. Dennoch habe ich eine Hündin mitgenommen.
Diese hatte generalisierte Demodikose, eine Krankheit, unter der die Rasse damals (heute entzieht sich meiner Kenntnis) recht häufig litt. Die Hündin war zum großen Teil weiß, mit blau-gestromten Patches.
Ich wurde so lange von den "guten" VDH-Züchtern bequatscht, bis ich die Hündin bei BiN abgab.
Leiche 1 lag also in meinem Keller.

Auf der ersten AST-Ausstellung, auf die wir zum gucken fuhren, konnte ich mir natürlich was anhören.
Und kaufte die nächste. Ohren kupieren war in D gerade verboten worden, aber auf Ausstellungen hattest du mit einem unkupierten AST keine Chance. Der Züchter lud mich also ein, mit ihm zum Kupieren zu fahren. Ich weiß nicht mehr, ob es in NL oder B stattfand, wo ein anderer Züchter auf dem Küchentisch die Hunde narkotisierte und am Fließband kupierte.

Meine Hündin bekam einen Verband und wir durften nach Hause fahren. Natürlich wurde nichts verödet und der Spaß begann, als ich zu Hause den Verband wechseln wollte. Sofort fing es an zu bluten und zu suppen.
Leiche 2 lag in meinem Keller.

Es dauerte einige Zeit, bis alles gut verheilt war. Und ich bekam gesagt, das sei alles normal so.
Gegen das Kupieren hatte ich grundsätzlich nichts, ich war es ja von den Doggen so gewöhnt. Und ja, es gefiel mir auch besser. Man glaubt ja gern, was man glauben möchte. Die Ohren sahen furchtbar aus. So kurz wie bei einem Hund für die Pit, fast abgesäbelt bis auf die Ohrmuschel.

Die Hündin hatte zusätzlich schwerste HD und wurde auch nicht alt.

Ich kaufte die nächste Hündin bei einem der guten Züchter. Die Großmutter hatte mittlere oder schwere HD, damals durfte aber damit gezüchtet werden. Und ich habe mich bequatschen lassen. Schliesslich war es eine Top-Linie und der, der diese Linie in Deutschland maßgeblich züchtete, hatte sogar ein Buch geschrieben (in dem ich dusseligerweise für viel Geld eine Anzeige gekauft habe, weil ich ja im Fahrwasser der Top-Züchter schwamm).
Naja, meine Hündin war super im Wesen und ich vermisse sie heute noch, aber sie hatte u.a. eine französische Front und sah von vorne grauslich aus. Vorweg, sie hatte dann auch noch HD und ging damit nie in die Zucht. Das erfuhr ich aber erst, als ich sie mit ihrer Schwester zusammen röntgen liess. Damals in Nürnberg bei Dr.Gutbrodt, der beide Hunde nur mit Maulkorb anfasste und auf meine Frage, ob er mir die Röntgenbilder erklären könne, sagte, was wollen Sie denn eigentlich, Sie haben doch die Wurfschwester. Ich zweifle heute noch etwas an dem Ergebnis, aber er war eben auch der Gutachter, zu dem ich eben extra gefahren war. Nicht ahnend, dass er diese Rasse nicht leiden konnte.
Der Züchter bot mir ihre wunderschöne achtmonatige Vollschwester an, die auch im Wesen, zwar anders als ihre Schwester, aber super war, ein absolut aggressionsloses Wesen.
Leider hatte diese einen Vorbiss. Ich habe sie dennoch für 8.000,-DM gekauft - irre, ich weiß.

Und auf Anraten des Züchters natürlich eine Zahnspange setzen lassen. Für nochmal gut 2.500,-DM.

Und zack, die dritte Leiche im Keller. Keine Angst, die Einschläge werden länger :)
Ich habe zwei Würfe mit ihr gemacht und in beiden kam übrigens kein Vorbiss heraus, dafür zwei Rückbisse mit Canini Engstand. Auch HD hatte keiner der Hunde. Dafür hatten wir einen Epi-Hund dabei. Wobei alles unter Vorbehalt, denn damals war das Kontakt halten deutlich schwieriger als heute und viele gingen verloren.
Auch diese beiden Hündinnen liess ich übrigens in Frankreich kupieren, wo damals richtiger Kupier-Tourismus herrschte. Es standen fast nur deutsche Autos auf dem Parkplatz der Klinik. Aber der Tierarzt verstand sein Handwerk. Er kupierte die Hunde wirklich schön und sauber. Nie hatte ich Probleme mit dem Verheilen und keiner der Hunde hatte danach die vielbemühte Kopfscheue oder ähnliches.
Um in Deutschland keinen Ärger zu bekommen, wurde der Hund auf dem Papier kurz ins Ausland verkauft, wo das Kupieren noch erlaubt war und kam dann wieder zurück. Ich würde das heute nicht mehr machen, aber schäme mich zumindest dafür mal nicht.

Ich stellte die Hündin wohl an die 40mal aus und das schlechteste Ergebnis war ein V3 und einmal tatsächlich ein G - dies bei einem Allgemeinrichter, der ein rassetypisches Merkmal negativ bewertete und eine andere Hündin, die dem Standard kaum entsprach, mit V1 belohnte. Meine war eine kleine Rampensau und hatte unheimlich Spaß auf den Ausstellungen. Sie packte sogar mit mir zusammen die Tasche am Abend vorher.
Schon damals merkte ich, dass auf Ausstellungen nicht immer alles mit rechten Dingen zuging. Da machte ein Aussteller, seines Zeichens Autohändler, einem Richter einen sehr guten Preis für einen Neuwagen.
Ein anderer Richter begrüßte die Frau eines Ausstellers in seinem Wohnwagen und beide erschienen ziemlich zerzaust wieder. Keine Frage, wer seine Klasse gewann.
Der nächste machte regelmässig Urlaub im Ferienhaus des Züchters in Frankreich oder Spanien.


Den zweiten Wurf verkauften wir mit rückdatierten Verträgen, da kaum einer der Welpenkäufer noch einen AST anschaffen durfte, denn zeitgleich zu meinem Wurf passierte das schreckliche Unglück mit dem totgebissenen Kind in Hamburg und die wahnwitzigen Kampfhundegesetze wurden erlassen.
Wie es im Leben manchmal kommt, ich ließ mich scheiden und das war vorerst auch das Ende der Hundezucht. Meine HD-Hündin blieb bei mir. Die wunderschöne liebe Schwester lebte bis zu ihrem Tod bei einer guten Freundin von mir. In meiner kleinen Wohnung mit Vollzeitberufstätigkeit war diesbezüglich nicht mehr drin.

Also, kumuliert, drei Leichen bis hierhin. Am meisten schäme ich mich übrigens noch heute für die erste.

Fortsetzung folgt ...

 

PS: Leiche 4: Ein dreijähriger Rüde biss irgendwann einen anderen Hund ziemlich übel, vorher wurde er selbst mehrfach zusammengebissen. Mich erreichte ein Anruf, ich solle ihn abholen oder er würde im TH landen. Dass er da mit der Vorgeschichte zu dem Zeitpunkt nicht mehr rauskäme war klar.
Ich holte ihn also ab in meine kleine Wohnung, wo er erstmal zur Begrüßung meine Hündin ordentlich biss.
Ich versuchte drei Wochen mein Glück und ließ ihn dann selbst einschläfern, obwohl er kerngesund war, aber einen Wesenstest nicht bestehen würde. Es war leider klar, dass eine Vermittlung damals somit nicht möglich war. Das war ein Schlüsselmoment in meiner Hundezucht. Der Rüde kämpfte beim Einschlafen auch ganz fürchterlich, was es nicht besser machte. Ich wünsche niemandem so ein Erlebnis.
Es ist aber nicht das letzte dieser Art, auch wenn ich nicht diejenige war, die zum Tierarzt fuhr, sondern es andere Besitzer mit Malinois von mir waren. 

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